Prof. Dr.-Ing. Ralph Pütz zu Gast beim MSC Straubing

Jürgen Bayer/ Februar 9, 2019/ Allgemein, Startseite, Veranstaltungen

Aus gegebenen Anlaß wird Prof. Dr.-Ing Ralph Pütz, Geschäftsführer und Institutsleiter für angewandte Nutzfahrzeugforschung und Abgasanalytik im Zuge unserer März-Monatsversammlung einen Vortrag über die Dieseldebatte halten.

Der Vortrag ist kostenlos und auch für Nichtmitglieder möglich !!!  Beginn der Vorlesung am Montag,den 11.03.19 ab 20:00 Uhr im MSC-Clubhaus.

Klare Fakten als Plädoyer für den Diesel

„Es gibt keine Dieselkrise, lediglich eine Pkw-Krise“, so Prof. Dr. Ralph Pütz, renommierter Spezialist für Verbrennungsmotoren und Abgasanalytik bei einer von Richard Forster und Robert Rengstl vom CSU-Ortsverband Ergoldsbach initiierten Vortragsveranstaltung. Ein hochinteressiertes und diskussionsfreudiges Publikum füllte den Saal der Gasthofes Dallmayr bis auf den allerletzten Platz.

Der Diesel-Verbrennungsmotor werde noch über Jahrzehnte unverzichtbar bleiben, denn mit der vorhandenen Abgasnachbehandlungstechnik können Dieselfahrzeuge bei den lokalen Schadstoffen wie Partikel und Stickoxide ein Nahe-Null-Emissionsniveau erreichen. Das habe der Nutzfahrzeugbereich mit der Stufe Euro VI deutlich bewiesen, und ebenso auch Traktoren der Stufe 4f, so Prof. Pütz, der Messwerte zeigte. Ohnehin ist der Dieselmotor die verbrauchs- und damit CO2-günstigste Verbrennungskraftmaschine. Ohne den Dieselantrieb wäre die erfolgte CO2-Reduzierung in der Vergangenheit nicht möglich gewesen, allerdings werden Verbrennungsmotoren zukünftig standardmäßig einen elektrischen Antrieb erhalten, so dass im Zeitverlauf bei sukzessiver Einführung verbesserter Batterietechnologien der hochsaubere Verbrennungsmotor dann zum bloßen „Range-Extender“ wird.

Dass im Pkw-Bereich sich die Prüfstandsergebnisse nicht immer im Realbetrieb wiederfinden liege daran, dass es eine Fülle von völlig „legalen Schlupflöchern“ bei der Typprüfung gab, die nicht den Fahrzeugherstellern anzulasten seien, sondern dem Gesetzgeber. Daher sei es schwierig, Hersteller von legal zugelassenen Fahrzeugen juristisch zu belangen. Jene Hersteller aber, die nachweislich betrogen haben und jenseits der Legalität agierten, müssten die volle Härte des Gesetzes spüren. Die gute Nachricht ist aber, dass mit der Stufe Euro 6d auch der Pkw-Diesel nachziehen wird und wie das Nutzfahrzeug einen lokal nahezu emissionsfreien Antrieb aufweist – dies, weil auch beim Pkw nunmehr die Vorschrift einer Emissionseinhaltung im realen Fahrbetrieb (RDE – Real Drive Emissions) und nicht nur am Prüfstand in der Gesetzgebung neu verankert wurde.

Prof. Pütz kritisierte aber auch eine regelrechte „Grenzwert-Hysterie“, die dringend relativiert werden müsse. So wird der Stickoxid (NO2)-Grenzwert schon dann überschritten, wenn in einem normal großen Wohnraum drei bis vier Adventskranzkerzen brennen. Und ein Raucher habe nach drei Wochen bereits so viel Feinstaub eingeatmet, wie ein Nichtraucher nach 75 Lebensjahren am „hoch belasteten“ Stuttgarter Neckartor. Und wenn an Industriearbeitsplätzen ein um den Faktor 25 höherer, von Toxikologen festgelegter Grenzwert gelte als in der Umgebungsluft, sei es zu hinterfragen, wie Epidemiologen aus bloßen statistischen Daten dann für die Umgebungsluft auf einen Grenzwert kommen, der um den Faktor 25 kleiner ist.

Als pragmatischen Lösungsansatz schlägt Prof. Pütz vor, allen Fahrzeugen einschließlich Euro 4 und älter Besitzstandsschutz zuzuerkennen, da diese Fahrzeuge durch die natürliche Flottenerneuerung kurzfristig ohnehin keine Rolle mehr spielen. Ebenso müsse für Euro 6 „freie Fahrt“ gelten. Bei Euro 5 hingegen sollten jedoch jene Hersteller, die nachweislich betrogen haben und denen die „Freiheiten“ der bisherigen Gesetzgebung offenbar nicht genügten, eine adäquate Strafzahlung auferlegt bekommen. Mit dieser Strafzahlung könnte man dann auch bei jenen Euro-5-Fahrzeugen eine Hardware-Nachrüstung öffentlich finanzieren, bei denen die Hersteller nicht betrogen haben, jedoch die Emissionen erwartungsgemäß nicht den Prüfstandswerten entsprechen. Ein wie von der Politik befürwortetes innermotorisches Software-Update sei i.d.R. nicht zielführend, da es zu Verbrauchsanstiegen und frühzeitiger Versottung des Abgasrückführtraktes führt. Prof. Pütz fordert seit langem vergeblich eine Nachrüstrichtlinie, um eine Hardwarenachrüstung auch für Pkws zumindest zu ermöglichen und eine kalte Enteignung der Fahrzeughalter und des Autohandels zu vermeiden. Solche Systeme für Pkws kosten zwischen 1.500 und 2.500 € und sind von Systemen für Linienbusse abgeleitet, die seit 2013 verfügbar sind.

Hinsichtlich der Diskussion um die Antriebe der Zukunft forderte Pütz ausgehend von regenerativen Energien ein „Systemdenken“ mit detaillierter Bewertung aller Subsysteme von der Energieerzeugung über deren Verteilung und Betankung bis zum eigentlichen Fahrbetrieb unter Einbeziehung auch der Fahrzeugproduktion und Entsorgung. Er plädiert für eine Technologieoffenheit statt „Hypes“ und damit eine Rückkehr zu „Fakten statt Marketing“.